Gutachten
Gefährdung von Gewässern durch Parasitenmittel für Hunde und Katzen
Auftrag
Der Auftraggeber hatte Studien aus Grossbritannien gelesen, die auf eine Gewässergefährdung durch Parasitenmittel für Hunde und Katzen hindeuteten (Zusammenfassung: online- Webinar Prof. Goulson (ab 28.30 bis ca. 45.30)
Die zu beantwortende Frage war, ob auch in der Schweiz eine solche Gefährdung der Lebensgemeinschaften in unseren Gewässern existieren könnte.
Erarbeitung
Zur Erarbeitung war es, nebst des Studiums der Literatur und der Gesetzgebung, notwendig, an verschiedene Personen und Organisationen zu gelangen. Zudem wurden Testkäufe durchgeführt.
Konsultiert wurden:
Die EAWAG: hat durchgehend alle notwendigen Auskünfte sofort erteilt. Es wurde aber klar, dass erst wenige Resultate von Gewässeruntersuchungen vorhanden waren.
Die Parasitologen (Vet.med. Fakultäten Universitäten Bern/ Zürich) konnten keine Angaben zur Häufigkeit zeckenbedingter Krankheiten bei Heimtieren in der Schweiz liefern. Die vorkommenden Krankheiten verlaufen meist mild oder gegen sie kann geimpft werden.
Bei der Swissmedic wurde bestätigt, dass viele Parasitenmittel für Hunde und Katzen zugelassen sind, die die umstrittenen Insektizide enthalten.
Erschreckend war die Aussage nach Konfrontierung mit neuen toxikologischen Erkenntnissen in Bezug auf die Gefährdung des Menschen: die Herstellerfirmen seien dafür zuständig, die Swissmedic über neue Erkenntnisse zu informieren, damit die Arzneimitttelinformation angepasst werden könne- sie hätten keine Zeit um toxikologische Studien zu lesen.
Die Gesellschaft Schweizerische Tierärzte GST hat primär auf diversen Bitten um Information der Tierärzteschaft kaum reagiert. Erst im November 2025 wurde ein kurzer Newsletter verfasst, worin eine Zulassungspflicht gefordert wurde.
Ergebnisse der Analyse
a) Die Insektizide Fipronil, Imidacloprid und Permethrin sind seit Jahren in der Landwirtschaft verboten, aber zur Verwendung als Parasitenmittel für Heimtiere weiterhin zugelassen
b) Alle diese Insektizide sind hochtoxisch für Mensch, Tier und Umwelt.
c) Nach der Applikation am Heimtier sind diese Stoffe während Wochen in den Haushalten der Tierhaltenden nachweisbar und gelangen sekundär via Wäsche, Hundesalons etc. oder direkt, etwa beim Baden von Hunden, in Gewässer
d) Die wenigen bereits vorhandenen Untersuchungsergebnisse wiesen auf Grenzwertüberschreitungen in einzelnen Gewässern hin, Mengenabschätzungen des Gebrauchs weisen aber auf eine grössere Belastung hin
e) Die Arzneimittelgesetzgebung der Schweiz schützt ungenügend vor Umweltrisiken
f) Die Gefahren durch Zecken und Flöhe sind für Heimtiere in der Schweiz gering
g) Die prophlylaktische Behandlung macht nur selten Sinn, wird aber stark beworben (Geschäft mit der Angst)
h) Es gibt genügend Alternativen, vor allem auch diverse pflanzliche Stoffe, die sehr effizient Insekten fernhalten (beim Menschen sind keine Mittel mit Insektiziden zugelassen!)
i) Bei Testkäufen in Apotheken und Drogerien wurde kaum je vor Risiken gewarnt. Alternative Produkte ohne toxische Insektizide wurden nur selten erwähnt
k) Viele Parasitenmittel, auch verschreibungs- oder apothekenpflichtige, können aus dem Ausland per Internet problemos bestellt werden
Die zusammengefassten Ergebnisse wurden den Gesprächspartnern zur Stellungnahme zugestellt und Unklarheiten beseitigt.
Die gestellte Frage , ob auch in der Schweiz eine solche Gefährdung der Lebensgemeinschaften in unseren Gewässern existieren könnte, musste mit JA beantwortet werden.
Angesichts der Fakten und Zusammenhänge wurde klar, dass die Problematik politisch angegangen werden muss.
Politische Verwendung
Nach Kontaktnahme des Auftragebers unter Beilegung der Ergebnisse des Basisdossiers wurde schliesslich von Ständerat Jakob Stark, Schweizerische Volkspartei, TG, am 18.09.2024 die Interpellation 24.3899 "Muss die Verwendung von Fipronil und Imidacloprid eingeschränkt oder sogar verboten werden?" eingereicht.
Verlauf
Die Stellungnahme des Bundesrates vom 27.11.2024 war in in einigen Punkten unklar und spezifische Handlungsversprechen fehlten. Nachfolgend wurden vertiefte Recherchen durchgeführt.
Die Interpellanten verlangten auf Basis dieser Fakten eine Diskussion im Ständerat. In der Debatte am 6.3.2025 äusserte sich Frau Bundesrätin Baume-Schneider dahingehend, dass umfangreiche Untersuchungen in Schweizer Gewässern laufen und die Resultate Ende 2025 vorliegen sollten. Je nach Ergebnissen würde dann gehandelt. Video der Debatte 6.3.2025Ergebnisse der Gewässeruntersuchungen in der Schweiz
Die Ende 2025 publizierten Ergebnisse der Untersuchungen Pestizide in Bächen: Es bleibt noch viel zu tun und FIPRONIL BELASTET DIE FLIESSGEWÄSSER bestätigten die Annahmen.
Es wurde aber klar, dass nur eine geringe Anzahl von Pestiziden untersucht werden konnte.
Metaboliten wie etwa das sehr toxische Fiprol, aber auch Wachstumshemmer wie Methopren oder Isoxazoline etc., die ebenfalls in Parasitenmitteln enthalten sind, wurden nicht untersucht- oder es fehlt eine Untersuchungsmöglichkeit (Pressemitteilung der EAWAG)
Forderungen
a) Das Messen mit ungleichen Ellen macht keinen Sinn. Wenn ein Stoff zu toxisch ist für die Anwendung in der Landwirtschaft (Fipronil, Imidacloprid, Permethrin), und dort verboten wird, so muss das auch in anderen Bereichen gelten.
b) Alle insektizidhaltigen Parasitenmittel sollten mindestens der Verschreibungspflicht unterstellt werden- nur der Tierarzt kann die notwendige Risikoanalyse vor einer Anwendung machen
c) Generell sollten Stoffe mit erhöhtem Gefahrenpotential nur von Personen verwendet oder abgegeben werden dürfen, die die entsprechende Fachausbildung haben und die Risiken kompetent beurteilen können (Ärzte, Tierärzte, Landwirte, Gärtner, Schädlingsbekämpfer etc.)
d) Die Arzneimittelgesetzgebung der Schweiz muss angepasst werden, um sicherzustellen, dass für alle Medikamente eine Umweltveltverträglichkeitsprüfung vorliegt
e) Die Gewässeruntersuchungen sollen fortgesetzt werden und auf weitere Wirkstoffe in Parasitenmitteln ausgedehnt werden.
f) Der Internethandel mit zulassungspflichtigen Medikamenten ist zu unterbinden
g) Die Fachpersonen und die Bevölkerung sind angemessen über die Risiken insektizidhaltiger Parasitenmittel zu informieren, Alternativen sind aufzuzeigen
Kurzinformation
PowerPoint Vortrag Prof. Ueli Kihm vom 27 Januar 2026
Gesamtbericht/ Dossier
Der Gesamtbericht wurde im Januar 2026 aufdatiert und vom Auftraggeber zur weiteren Verwendung durch die Presse und zur allgemeinen Publikation freigegeben.
Gesamtdossier, enthaltend Basisdossier, Verlauf, Resultate, Forderungen, Literaturverzeichnis